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Google kommt auf den Fernseher:
Lohnt sich Sonys Internet Player mit Google TV?

Lange bevor Google TV nach Deutschland kam, wurde schon über die Suchmaschine am Fernseher diskutiert. Mit Spannung erwartete daher die Fachwelt den Internet Player von Sony, das erste Produkt mit Google TV, das hierzulande in nächster Zeit in die Läden kommen soll. TVAnbieter.de hat sich den 200 Euro teuren Player näher angeschaut. Lohnt sich die Anschaffung?

NSZ-GS7 ist die Bezeichnung für Sonys Internet Player mit Google TV. Die Fernbedienung verfügt über ein Touch-Pad und auf der Rückseite über eine Tastatur. (Quelle:Sony)

NSZ-GS7 ist die Bezeichnung für Sonys Internet Player mit Google TV. Die Fernbedienung verfügt über ein Touch-Pad und auf der Rückseite über eine Tastatur. (Quelle:Sony)

Googles Suchmaschine wird bereits im Internet vorgeworfen, Geld mit fremden Inhalten zu machen. Buchverlage laufen Sturm gegen das Unternehmen, Musiklabels lassen Videos auf der Google-Tochter Youtube verbieten. Kein Wunder also, dass andere Fernsehsender Google TV mit Argwohn betrachten und bereits vor Erscheinen von Sonys Internet Player Front gegen das Projekt des Suchmaschinenexperten machen.

Die Idee hinter Google TV  ist nämlich: Mit der Suchmachine lässt sich nicht nur das Internet durchforsten, sondern auch die Informationen aus der elektronischen Programmzeitschrift der Sender, dem EPG. So kann jeder gezielt nach bestimmten Sendungen, Filmen, Schauspielern oder Serien suchen. Diese Idee stößt bei den TV-Sendern aber auf wenig Gegenliebe. In den USA haben bereits die ersten Programmanbieter ihre Inhalte für Google TV sperren lassen. Nun startet Google TV auch in Deutschland – allerdings noch ohne diese erweiterte Suchfunktion.

Einfacher Anschluss, aber HDMI-Kabel fehlt

Die unscheinbare schwarze Box ist in etwa so groß wie eine Videokassette und besitzt auf der Rückseite einen HDMI-Ein- und -Ausgang, einen Anschluss für ein LAN-Kabel, zwei USB-Buchsen, einen optischen Digitaltonausgang sowie den Anschluss für das Netz- und ein IR-Blaster-Kabel. Obwohl zwingend ein HDMI-Kabel benötigt wird, liefert Sony leider keines mit.

Der HDMI-Ein- und Ausgang wird benötigt, wenn der Internet Player zwischen einen Digitalreceiver und dem Fernseher installiert wird. Leider liefert Sony das dafür notwendige zweite HDMI-Kabel nicht mit. (Quelle: Sony)

Der Anschluss geht schnell vonstatten. Den vollen Funktionsumfang nutzen Sie am besten, wenn Sie die Box zwischen Digitalreceiver und Fernseher schalten. Dadurch wird das TV-Signal durchgeschliffen und quasi mit den Funktionen von Google TV erweitert. Also wird ein HDMI-Kabel vom Digitalreceiver in den Eingang des Internet Players gesteckt. Ein zweites führt vom Ausgang des Players zum Fernseher. Netzkabel angeschlossen – fertig.

Nach 30 bis 40 Sekunden ist die Box hochgefahren und die Erstinstallation steht an. Sie dauert zwischen 15 und 20 Minuten, da unter anderem für die Nutzung des Google Play Stores ein E-Mail-Konto bei Google eingerichtet werden muss, wenn Sie noch keines besitzen.

Fernbedienung mit Touch-Pad und Tastatur

Darüber hinaus wird in unserem Fall eine Verbindung mit dem Internet über WLAN hergestellt. Die Eingabe des Passworts für das Netzwerk geht glücklicherweise schnell von der Hand, denn Sony liefert mit dem Player eine Wendefernbedienung mit, die auf der einen Seite eine QWERTZ-Tastatur und auf der anderen ein Touchpad besitzt.

Mit der Fernbedienung können zudem Fernseher und Digitalreceiver gesteuert werden. Sollte der Internet Player zu weit entfernt von beiden Geräten stehen, kommt das mitgelieferte IR-Blaster-Kabel zum Einsatz. An dessen Ende befindet sich ein Infrarot-Sensor, den Sie in der Nähe des Fernsehers und des Digitalreceiver platzieren. Über den Sensor lassen sich dann beide Geräte ansteuern. Beim Digitalreceiver ist jedoch nur das Umschalten zwischen den TV-Programmen möglich.

Über die Tastatur der Fernbedienung können Sie bequem die Adressen von Webseiten eingeben. Auch E-Mails lassen sich damit noch gut schreiben. (Quelle: Sony)

Übersichtlicher Play Store

Ist die Erstinstallation durchlaufen, erscheint am unteren Bildschirmrand eine Leiste mit Symbolen. Über die Richtungstasten der Fernbedienung kann man nun wählen, ob man sich die bereits installierten Apps ansehen, zum TV-Programm wechseln oder Videos auf Youtube sehen will. Daneben kann man auch direkt den Chrome-Browser aufrufen, in den Play Store gehen, zu Sony Entertainment wechseln oder die Such- und Hilfefunktion aufrufen. Über das Einstellungsmenü lässt sich die Startleiste auch mit anderen Widgets belegen.

Die Startleiste von Google TV liegt am unteren Bildschirmrand. Die einzelnen Widget lassen sich auf Wunsch durch andere ersetzen. (Quelle: Sony)

Der Play Store ist aktuell noch recht übersichtlich. Bei unserem Test konnten wir aus 77 Apps auswählen. Google hat Apps, die am Fernseher wenig Sinn machen, wie zum Beispiel solche mit GPS-Navigation oder Touch-Funktion, herausgenommen. Es sollen demnächst aber noch weitere Apps, die für den Fernseher optimiert sind, im Play Store des Internet Players erhältlich sein.

Da Sony solche Apps aus dem Play Store entfernt hat, die am Fernseher keinen Sinn machen, ist die Zahl der Apps des Internet Players noch recht übersichtlich. (Quelle: Sony)

Inzwischen ist mit FilmOn immerhin eine App erhältlich, mit der auch TV-Programme über die Internetverbindung angeschaut werden können. FilmOn bietet zwar eine Fülle an internationalen Programmen, aber die Auswahl an deutschen Sendern ist mit ZDFneo, ZDFkultur, RTL, RTL 2, QVC Plus und QVC Deutschland sowie Sonnenklar TV und den drei Digitalkanälen der ARD (Eins Extra, Eins Festival und Eins Plus) eher dürftig. Hinzu kommt, dass die Programme nicht auf die volle Größe des Bildschirms aufgezogen werden können. Die App ist für die Benutzung auf einem Smartphone oder Handy ausgelegt.

FilmOn bietet Live-TV über das Internet. Jedoch ist die Auswahl an deutschen Sendern sehr klein und das TV-Bild lässt sich nicht auf die Größe des Bildschirms aufziehen. (Quelle: FilmOn)

Streaming aus dem Netzwerk – keine TV-Aufnahmen möglich

Der Play Store enthält auch einige Apps, mit denen Musik, Videos und Bilder von einem Datenträger im Heimnetzwerk auf den Fernseher wiedergegeben werden können. Zu empfehlen ist die App aVia, auch wenn sie keineswegs perfekt ist. Sie spielt aber TV-Aufnahmen vom Rechner auf den Fernseher, die typischerweise im TS-Format gespeichert werden. Auch mit AVI-Dateien und hochauflösenden Videos im MKV-Format hat die App keine Probleme. Bei TV-Aufnahmen in HD kommt es allerdings zu permanenten Rucklern. Dafür funktioniert das Streaming von Bildern, Videos und Musikdateien aus dem eigenen Netz einwandfrei, auch wenn aVia etwas Zeit braucht, bis alle Dateien einer Netzwerkfestplatte erfasst sind.

Mit Apps wie aVia lassen sich Musik, Bilder und Videos von einer Netzwerkfestplatte über Sonys Internet Player auf den Fernseher streamen. (Quelle: aVia)

Keine Probleme gibt es hingegen bei der Wiedergabe über eine an den Internet Player angeschlossene Festplatte oder einen USB-Stick. Hierfür rufen Sie den vorinstallierten Media Player auf und wählen in den Einstellungen den externe Datenträger aus. Der Media Player ist normalerweise auf den knapp 4 Gigabyte großen internen Speicher eingestellt. Der Speicher kann jedoch lediglich dafür genutzt werden, um Daten vom externen Speicher auf den internen zu kopieren. Aufnahmen aus dem Fernsehen lassen sich darauf nicht aufzeichnen und abspeichern.

Im Gegensatz zur USA-Version von Google TV ist der Internet Player von Sony nicht mit dem Fernsehen verzahnt. Er greift daher nicht auf Programmdaten aus dem EPG zurück, wodurch auch keine Aufnahmen mit dem Player möglich sind. Dementsprechend liefert die Google-Suche über das Sony-Gerät lediglich die Ergebnisse einer ganz normalen Suche im Internet.

Schnelles Surfen – hoher Stromverbrauch

Immerhin: Die Suche funktioniert recht flott. Das gilt auch für das Surfen am Fernseher über den Chrome-Browser. Mit der jetzigen Software-Version 3.2 werden auch nicht mehr die für mobile Geräte optimierten Webseiten einiger Anbieter aufgerufen.

Einen weiteren Minuspunkt handelt sich Sonys Internet Player allerdings in Bezug auf den Stromverbrauch ein. Im Schnellstartmodus verbraucht die Box im Standby 6,2 Watt. Dafür ist sie in ein paar Sekunden einsatzbereit. Im sparsameren Modus sinkt der Verbrauch im Standby auf unter 0,3 Watt, aber die Box benötigt eine halbe Minute um hochzufahren. Außerdem können Sie in diesem Modus nur dann Fernsehen, wenn auch der Internet Player eingeschaltet ist. Ansonsten leitet der Player das TV-Signal nicht vom Digitalreceiver an den Fernseher weiter.

Schließt man den Internet Player an einen Bravia-Fernseher von Sony an, wird das Menü des Players in das des Fernsehers integriert. (Quelle: Sony)

Fazit: Weil Sonys Internet Player mit Google TV nicht wie in den USA mit dem Fernsehen verzahnt ist, verliert das Gerät sein Alleinstellungsmerkmal, wenngleich das Zusammenspiel mit dem TV sowie die Bedienung flüssig vonstatten gehen. Youtube-Videos oder Streaming aus dem Netzwerk beherrschen aber auch andere Internet Player. Ob die Japaner in Zukunft eine tiefere Verschmelzung mit dem Fernsehen anstreben, lassen sie derzeit noch offen. Bis dahin muss sich Sonys Internet Player mit anderen Geräten dieser Kategorie vergleichen, die für einen ähnlichen Funktionsumfang zum Teil unter dem Preis von 200 Euro liegen.